Salu auf dem Saarradweg

Middlich, Saaschleif, Meerzisch, Saalui, Saabrigge—gebbds do ebbes, wo sich ahnsegucke lohnt? Ei allemool!*

Als ausgewiesene Fans von Heinz Becker, dem von Gerd Dudenhöfer geschaffenen archetypischen Saarländer, war es lange überfällig, dessen Heimat einen Besuch abzustatten. Wir radelten dazu im Juli 2008 von Köln aus entlang des Rheins, machten eine Stippvisite bei einem alten Schulfreund „auf‘m Hunsrück“ und erreichten schließlich entlang der Mosel die Saarmündung bei Konz. 


*Mettlach, Saarschleife, Merzig , Saarlouis, Saarbrücken - gibt‘s da etwas, was sich zu besichtigen lohnt? - Aber selbstverständlich! (Saarbrücker Dialekt)

 


Saarburg

Auf dem Radweg links der der Saar lassen wir bald das geschäftige Konz hinter uns und radeln Saarburg entgegen. Hoch über dem Städtchen thront die namensgebende mittelalterliche Burgruine aus dem 10. Jahrhundert. Die Innenstadt verbreitet französisches Flair und die Lage am Flüsschen Leuk erinnert entfernt an das Fischerviertel in Kollmar. Verwinkelte Gässchen wollen entdeckt werden, die Attraktion des Ortes ist jedoch der Wasserfall, über den die Leuk sich mitten in der Stadt 20 Meter in die Tiefe stürzt, bevor sie ihre Wasser mit denen der Saar vereint.

 

Das weite Tal bei Saarburg verengt sich alsbald und die Saar fließt nun zwischen Berghängen dahin — obwohl von „fließen“  eigentlich keine Rede sein kann. Durch viele Schleusen und Staustufen, so, wie man es auch von der Mosel kennt, ist die Saar in ihren freien Fluss gehemmt, dafür bietet sie als Bundeswasserstraße auch großen Pötten und Schubverbänden ausreichend Raum, das Industrierevier bei Völklingen zu erreichen. Der Flussromantik tut das jedoch keinen Abbruch.

Das besorgt mit seinen Betriebsgeräuschen schon eher ein riesiger Steinbruch bei Saarhausen. Der Staub, der beim Abbau und Zerkleinern des Felsens entsteht, legt sich als feiner roter Teppich über die Umgebung.

 

Bei Villeroy & Boch in Mettlach

Wenige Kilometer weiter erreichen wir Mettlach. In der ehemaligen Benediktinerabtei dort hat die Weltfirma Villeroy & Boch ihren Hauptsitz.

In den Außenanlagen rund um die Ruine der Abteikirche wurde der „Living Planet Square“- spektakulärer Beitrag des „World Wildlife Fund (WWF)“ zur Weltausstellung „Expo 2000“ in Hannover, nach einer Idee von André Heller - aufgebaut. Das Ensemble besteht aus einem begehbaren Pavillon, an den sich die vierzehn Meter hohe Figur des „Erdgeistes“ anlehnt, und sechs den Pavillon umstellenden Keramikwänden. Auf diesen hat der international bekannte Künstler Stefan Szczensy zwölf Fliesenbilder gestaltet, die die „Weltkarte des Lebens“ auf den fünf Kontinenten und der Arktis darstellen.

 

Die technische Umsetzung leistete das Mettlacher Mosaikatelier von Villeroy & Boch. Künstlerische Gestaltung und technische Innovation sind von jeher das Markenzeichen von Villeroy & Boch, sehr anschaulich dargestellt in der „Keravison“ genannten Ausstellung auf dem Firmengelände. Bevor man sich dort hinein begibt, sollte man sich im Vorführraum unbedingt den 20minütigen Film ansehen, der 1998 zum 250jährigen Firmenjubiläum gedreht wurde.

Kein geringer als Sir Peter Ustinov führt als Erzähler durch die in eine Spielhandlung eingebettete Firmengeschichte. Der ganze Ort lebt direkt oder indirekt von Villeroy & Boch, nicht zuletzt auch durch das „Outlet-Center“, in welchem deren Produkte als 1a– oder 1b-Ware feilgeboten werden. Daneben blüht in der Hauptstraße die Gastronomie, die vielen Besucher wollen schließlich verköstigt sein.

 

 

Saarschleife

Wir radeln weiter saaraufwärts und umrunden nach etwa fünf Kilometer die   Saarschleife. Zunächst steuern wir unser Nachtquartier in Merzig an, für den Aufstieg auf die Cloef, den Aussichtspunkt hoch über der Saarschleife bleibt für heute keine Zeit mehr.  Das holen wir am nächsten Tag nach. Das Tandem wird am Fuß des Felsens abgestellt, dann geht es über einen Trampelpfad steil bergauf. Bei jeder Windung öffnet sich eine  neue Perspektive auf die untenliegende Landschaft, gekrönt von der atemberaubenden Aussicht auf der Cloef über die Saarschleife. Von Südosten kommend umrundet der Fluss einen schmalen Bergrücken und fließt auf der anderen Seite in die gleiche Richtung zurück,  aus der er gekommen war. Bei Mettlach fließt die Saar schließlich nach einer weniger spektakulären Biegung weiter gen Norden.

 

 

"Gesundes" Wasser

Wir verlassen die Kreisstadt Merzig mit ihrer großzügigen Fußgängerzone, einem ebensolchen Kurpark mit Saline und Heilwasserbrunnen saaraufwärts mit Ziel Saarlouis. Nach etwa fünf Kilometern legen wir an der Bietzemer Heilquelle einen Zwischenstopp ein und kosten das aus einem Hahn sprudelnde stark salz– und mineralhaltige Wasser. Es schmeckt… gesund.

 

Saarlouis


Am frühen Nachmittag radeln wir bei leichten Sprühregen in Saarlouis ein. Doch selbst jetzt verbreitet die Innenstadt französisches Flair. Kein Wunder -  Frankreich ist nahe. Die Gründung von Saarlouis (ursprünglich : Sarre-Louis) geht  auf eine Bauanordnung des französischen Königs Ludwig XIV. aus dem Jahr 1680 für eine Stadt zur Sicherung der Ostgrenze seines Reichs zurück, die der berühmte Baumeister Sébastien le Prestre de Vauban dann  in Sternform mit sechs Bastionen zur Aufstellung von Kanonen anlegte. Die Festungsbauten sind nur noch in Rudimenten vorhanden, dennoch gibt die Anlage der Innenstadt noch einen guten Eindruck von den ursprünglichen Dimensionen.

Auf dem Großen Markt exerzieren heute allerdings keine Soldaten mehr, dafür stehen dort auf der ganzen Fläche Autos in Reih und Glied.

 

Saarbrücken

„Saabrigge is groß!“ gab uns die Verkäuferin in einem Buchladen als Warnung mit, als wir von unserer Absicht erzählten, in die Landeshauptstadt zu radeln.

Besser hätte sie uns vor den Wegverhältnissen gewarnt: Gleich hinter Saarlouis war uns die Route entlang des  linken Saarufers wegen einer Groß-baustelle verwehrt.

Die Umleitung für den Radverkehr war so miserabel ausgeschildert, dass wir erstmal in die Irre fuhren. Immerhin wissen wir jetzt, dass es auch in Saarlouis eine IKEA-Niederlassung gibt, auf deren Parkplatz sich der Radweg im Nirwana verliert. Eine weitere Großbaustelle vor Völklingen verleidete uns dann für diesmal auch den Besuch dieser Stadt mit ihrer als Weltkulturerbe eingestuften Eisenhütte.

 

 

Das Pendant zur Schildergasse heißt in Saarbrücken „Bahnhofstrooß“. Dort  herrschte die allen Einkaufsmeilen inne-wohnende Betriebssamkeit mit C&A und den üblichen Verdächtigen. Rund um das Viertel am „Maagd“ und der „Ald Brigg“ mit verwinkelten Gässchen bricht sich allerdings das französisch anmutende Flair wieder Bahn.

Auf großen Plätzen unter schatten-spendenden Bäumen findet das Leben an kleinen Bîstrottischen draußen statt. Sehenswert ist die holzgeschnitzte barocke Ausstattung der Basilika St. Johann, beeindruckend die rote   Sandsteinfassade des Rathauses. Am linken Saarufer zeugt der alte Saarkran aus dem Jahr 1762 von einer anderen Art Betriebssamkeit, die einst hier den Tagesablauf bestimmte.

 

"Allee dann!"

Am Ende unserer Reise mussten wir konstatieren, dass das Saarland viel mehr zu bieten hat als Heinz Becker und  einen putzigen Dialekt. Viele Dinge mussten in diesem Bericht unerwähnt bleiben, andere bleiben an Ort und Stelle noch zu entdecken. Das macht Lust auf mehr. Allee dann!*


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Reiseinfos

Das Saarland ist mit dem „Eifelexpress“ Köln-Trier leicht zu erreichen, die Fahrradbeförderung kein Problem. Ab Trier nimmt man den Moselradweg flussaufwärts bis Konz (14 Km). Wir verwendeten die ADFC-Radtourenkarte Nr. 19, „Saarland/Mosel“, die für die Tour entlang des Flusses völlig ausreichte.


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